Grundlagen

Menschenbild

Als ChristInnen sind wir überzeugt, dass jeder Mensch eine von Gott verliehene Würde hat, von unverwechselbarem Wert ist und in seiner Einzigartigkeit angenommen werden muss. Das bedingt die personale Anerkennung jedes Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion und Fähigkeiten. Auf der Grundlage des Evangeliums sind Vertrauen, Liebe, Verlässlichkeit, sowie der Umgang mit Scheitern wichtige Lebensprinzipien, die in der Katholischen Elternbildung vermittelt und gelebt werden. 

 

Das Kind 

Jedes Kind ist von Anfang an eine eigenständige Person mit einem individuellen Temperament, einmaligen Anlagen und Fähigkeiten. Damit eine ganzheitliche Entwicklung möglich ist, müssen die körperlichen, seelischen, geistigen, sozialen und spirituellen Grundbedürfnisse eines Kindes erfüllt sein. Kinder brauchen ausreichend Zeit, eine sicherer Bindung, Fürsorge und Kommunikation, um sich in ihrem individuellen Entwicklungstempo entfalten zu können. Sie sind auf Bezugspersonen (Eltern, Großeltern, Freunde, ...), ein entwicklungsförderndes Umfeld und auf eine kinderfreundliche Gesellschaft (Familienpolitik, gesellschaftliche Wertschätzung) angewiesen. 

 

Die Eltern

Eltern leisten durch ihre qualitätsvolle Erziehung einen grundlegenden Beitrag zur positiven Entwicklung der nächsten Generationen. Mütter und Väter lieben ihre Kinder und haben das Bedürfnis das Beste für sie zu tun. Sie verfügen über intuitive elterliche Kompetenz , wodurch sie ihr Kind in vielen Situationen verstehen und rasch hilfreich handeln können. Eigene Erziehungserfahrungen und soziale Realitäten beeinflussen sie in ihrem Tun. Mütter und Väter stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen, aktuellen Belastungssituationen und vielfältigen Ansprüchen. Verunsicherungen und Fragen ergeben sich auch durch Miterziehende, unterschiedliche Erziehungsratgeber und Medien. Eltern brauchen die Wertschätzung der Gesellschaft für ihre Erziehungsarbeit, finanziellen Ausgleich, familienfreundliche Rahmenbedingungen und spezifische Bildungsangebote. 

 

Die Eltern-Kind-Beziehung

In der Schwangerschaft bauen Eltern eine individuelle Beziehung zu ihrem Kind auf. Diese wird nach der Geburt von Mutter, Vater und Kind aktiv gestaltet. In einer sicheren Bindung erfährt das Kind Geborgenheit, Schutz und Orientierung, um sich entwickeln und lernen zu können. Die Eltern-Kind-Bindung wir in gegenseitiger Bezogenheit ständig weiterentwickelt. Eine gelingende Eltern-Kind-Beziehung bestärkt und bereichert Mutter, Vater und Kind und erhöht die Lebensqualität in der Familie. Wie Eltern und weitere Bezugspersonen mit dem Kind selbst und vor dem Kind miteinander umgehen hat Modellwirkung für das Kind beim späteren Gestalten von Beziehungen. 

 

Die Partnerschaft

Die Erweiterung vom Paar zur Mutter-Kind-Triade ist eine große Umstellung. Die Gestaltung des Familien- und Berufsalltags nach der Geburt des Kindes fordert die Eltern körperlich, seelisch und ökonomisch in all ihren Kräften und Ressourcen. Daher ist es wichtig, die Achtsamkeit füreinander zu bewahren und die Liebesbeziehung zu pflegen. Kinder profitieren davon, wenn Eltern einander gut verstehen und respektvoll miteinander umgehen. Ein Scheitern der Paarbeziehung bedeutet nicht das Ende der Elternbeziehung. Gelingt es getrennt lebenden Eltern weiterhin engagiert und ehrlich aufzutreten, geben sie ihren Kindern wertvolles Rüstzeug für die Zukunft. Neue Partnerschaften bringen neue Herausforderungen mit sich. Einfühlungsvermögen und Offenheit helfen den Kindern bei der Beziehungsaufnahme mit dem/der neuen Partner/in.

 

Familie

Familie, als Lebensgemeinschaft von mindestens zwei Generationen, wird in unterschiedlichsten Formen gelebt. Von der Vater-Mutter-Kind-Familie, der Vater- oder Mutter-Kind-Kind-Familie, Stief-, Patchwork- oder Regenbogenfamilie, bis hin zur multilokalen Mehrgenerationenfamilie, ist sie die Basis für Entwicklung und Lebensqualität des/der Einzelnen und der Gesellschaft. In der jeweiligen Familienform stehen die Erziehenden vor vielfältigen Herausforderungen, für die es oft wenig Vorbilder und Modelle gibt. 

 

Gesellschaft

Familie als kleinste Einheit gestaltet Gesellschaft und wird von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungen beeinflusst. Der Kontakt über mehrere Generationen und Altersgruppen ist nicht mehr selbstverständlich in das Familienleben eingebettet und intergeneratives Lernen braucht einen aktiven Anstoß. Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und religiöser Beheimatung begegnen einander in ihrem beruflichen und privaten Alltag. Deshalb ist jede Initiative zum interkulturellen und interreligiösen Dialog für ein gelingendes Zusammenleben förderlich. Um religiösen Etikettierungen und kulturellen Vorurteilen vorzubeugen sind der interpersonale Austausch und die Selbstreflexion wichtig.